630m

Irgendwie wurde ich das Gefühl nicht los, dass das neue Mittelwellenband in aller Munde ist. So habe ich mich den irgendwann entschieden, den dafür passenden Transverter zu bauen. Zwar hatte ich schon häufiger den Wunsch, etwas zu bauen, aber die Gefahr, dass das Projekt versandet, ist immer relativ gross - every days business you know. Insgesamt wird es wohl um einen Monat gedauert haben, aber Ende Mai 2014 ist das Projekt erfolgreich beendet. Im Durchschnitt habe ich etwa 2h pro Tag daran gearbeitet - vorzugsweise des Abends, wenn die XYL das Fernsehen gebucht hat :-). Wie zu sehen, habe ich mehrheitlich in Lötinseltechnik und mit SMD-Bauteilen gearbeitet. Bis auf den Mischer, einen ADE-1 und jeweils einen J310 und BFR92A in der HF-Eingangsstufe, habe ich keine HF-spezifischen Halbleiter verwendet. Der Oszillator benutzt zwei BC847, Treiber ist ein BD139 und die End-PA ein IRF510 - Ausgangsleistung 10W. Klar wäre da mehr zu machen, aber ich wollte das Kühlblech klein halten und zudem, um die Möglichkeit von PSK offenzuhalten, linear arbeiten. Die LO ist übrigens 4MHz, somit liegt die vom Transceiver zu liefernde ZF im 80m Band (3521k-3528k). Das ist blosser Zufall, da ich massenhaft 4MHz-Quarze rumliegen hatte. Die Eingangsstufe habe ich nachträglich noch mit dreistufig schaltbarer Verstärkung versehen (+8/24/40dB), by default hatte ich +40dB, was mir zum Teil zu noisy war. Die Filterung ist eingangs- wie ausgangsseitig ein 5-poliges Tschebytscheff-TPF, eingangsseitig habe ich noch ein 3-poliges Tschebytscheff-HPF mit 3dB Ripple verbaut, um den LW-Broadcastbereich zu dämpfen - dank dem hohen Passbandripple ist der Rolloff recht steil und der LW-Bereich wird mit 25dB gedämpft. Na, es wäre noch viel mehr zu erzählen; wenn ich meine verschiedenen Planungspapiere noch zusammenkriege, werde ich ein Schaltbild kreieren. Da wir hier zwar viel Land haben, es für eine wellenlängengerechte Antenne trotzdem nicht reichen würde, habe ich parallel zum Transverterbau eine Ladespule gewickelt. Bereits für den CQ 160m Contest habe ich eine L-Antenne vorbereitet. Der horizontale Teil verläuft dabei von TV-Antennenmast auf dem Dach zum GFK-Mast draussen im Feld - der vertikale Teil kommt entsprechend vom GFK-Mast runter - insgesamt etwa 45m Draht. Für die Ladespule habe ich ein 5-Eck mit Holzstangen aufgebaut - nicht optimal, aber das einzige Material, welches gerade rumlag - ebenso wie das Plexiglas. Eigentlich hatte ich 100 Windungen vorgesehen, hatte aber nicht mehr genug Draht auf Lager, somit endet die Spule mit 85 Windungen und 560µH - wie sich gezeigt hat - reicht das gerade zum Verlängern der Inverted-L. Natürlich steht und fällt so ein unsymmetrisches Antennensystem mit dem Radialnetz und der Bodenleitfähigkeit. Zunächst hab ich also die 4 Radials zu meiner GFK-Drahtvertical ausgelegt. Das SWR mit diesem Setup bei 2,5:1, worauf ich einige Radials mit 40cm langen Erdungspfosten versehen habe. Damit habe das SWR in Bandmitte auf 1,3:1 senken können. Ohne genauere Messungen vorgenommen zu haben, komme ich überschlagsmässig auf eine EIRP von etwa 30mW. Jedenfalls ist eines klar: die Bodenunterschiede zwischen hier und dem alten QTH südlich der Alpen ist gewaltig - während man sich im Sand und Kies im Tessin die Erdungspflöcke getrost schenken konnte, kommen sie hier erst richtig zum Zug. Das Vorhaben, diese Ladespule dereinst auch auf 2200m zu verwenden, dürfte wohl ins Leere laufen, da mit dem verbleibenden Platz für 15 Windungen keinesfalls mehr eine genügende Induktivität für dieses Band erreicht werden kann, mais tant pis! Während ich für die Entwicklung im Lab den FT-817 als Transceiver benutzt habe, hab ich im Shack den FT-950 angestöpselt und auf 5W runtergeregelt - das ist das, was das verbaute Dämpfungsglied von 55dB verträgt. Da der LO höher oberhalb der ZF schwingt, invertiert sich das eingespeiste Signal; da aber für Digimodes meistens USB gefahren wird, war mir dann die ständige Umrechnerei im Kopf zum Nichtüberschreiten der Bandgrenzen zu kompliziert und habe den Transceiver auf LSB umgestellt. Damit wird 3525.8k LSB zu 474.2k USB und damit passgenau zur vorgesehenen Dialfrequenz für WSPR. Naja, wenig spektakulär, das Bild zur Rechten. Aber jeder weiss ja, wie eine Inverted-L aussieht. Übrigens sehr praktisch, noch einen alten TV-Antennenmast auf dem Dach zu haben - keine zusätzlichen Bewilligungen notwendig, sofern man mit der Nutzung nicht übertreibt; bis jetzt dient sie lediglich als Abspannpunkt für den besagten Draht. Die zum Abspannen verwendeten Isoliereier kommen aus der Landi ;-). Die Antennenlitze ist ganz gewöhnliche Schaltlitze mit 0.14mm²; bei Gelegenheit werd ich eine dickere Litze installieren. Nach dem ersten Wochenende QRV auf 630m konnte ich ein bidirektionales Aktionsradiusmaximum von 1391km (LA4ANA) via WSPR ausmachen; gefällt mir soweit fürs erste. Der nächste Schritt wird eine PA mit mindestens 100W sein, erste Planungen habe ich bereits begonnen. Ich denke 10dB mehr könnte einen gewissen Unterschied machen.